Die Umgebung von Pruszcz Gdański

 

Pruszcz Gdański liegt sehr idyllisch. Unweit von der Ostsee, von mehreren touristisch interessanten Orten umgeben.

Mit dem Zug erreicht man sehr schnell und einfach die wunderbare Stadt Danzig, das Seebad Sopot/Zoppot und Gdynia/Gdingen, wo die Kreuzfahrschiffe anlegen. Besonders die Kurstadt Zoppot an der Ostsee ist ein sehr beliebtes Touristenziel und verzaubert die Besucher. Schnell ist man auch auf der Halbinsel Hela, die die Danziger Bucht einschließt.

Unweit von Pruszcz Gdański findet man viele wunderbare Ausflugsziele.

Wir haben bereits viele dieser Orte besucht: die Halbinsel Hela, Danzig, Zoppot, Gdingen, Marienburg, Thorn, die Wanderdünen in Leba, den Oberlandkanal und vieles mehr…

Einige der Ziele werden im nachfolgenden beschrieben.

 

Danzig

Pruszcz Gdański liegt vor den Toren von Danzig. Mit dem Stadtbus oder auch der Bahn ist man in 15 Minuten in der Danzieger Innenstadt. Bei jeder Reise zu unserer Partnerstadt ist daher ein Besuch Danzigs selbstverständlich, entweder mit der gesamten Reisegruppe oder auch individuell.

Im Herzen der Stadt Danzig liegt die Ulica Dluga (Langegasse), die in den Dlugi Targ (Langer Markt) übergeht,  sicherlich der richtige Ort, um mit der Stadtbesichtigung zu beginnen. 
Mit seinen hohen, schmalen Giebelhäusern, die einst den reichen Kaufleuten gehörten und oft mit wunderschönen und kunstvollen Verzierungen versehen sind, erinnert einen die Rechtstadt an Holland. Und tatsächlich war Danzig eine der Großen Hansestädte. Die Restauratoren haben großartige Arbeit geleistet nach dem 2. Weltkrieg und die einstige Pracht wiederhergestellt. Oftmals sieht man nicht einmal, wo das Neue beginnt und das Alte aufhört.

Nicht zu übersehen beim Stadtrundgang ist die eindrucksvolle Marienkirche, die größte Backsteinkirche Europas und die größte Kirche in Polen. 1245 gegründet und im 15. Jahrhundert komplett renoviert, ist sie eines der wenigen Gebäude, das den Krieg unbeschadet überstanden hat.

Östlich der Rechtstadt befindet sich die eigentliche Altstadt (Stare Miasto), die von den Nachkriegsrestauratoren wenig beachtet wurde. Heute gibt es hier einen bunten Mix aus historischen und modernen Gebäuden, für Fans der gotischen Architektur lohnt sich die Katharinenkirche.

Ein Bereich, der wohl nicht wirklich schön zu nennen, aber historisch hochinteressant ist, ist die Danziger Schiffswerft, Stocznia Gdanska. Dieses monumentale Überbleibsel der Sowjetzeit, die Werft hieß Leninwerft bis in die 1980er Jahre, war die Geburtsstätte der Solidaritätsbewegung in den 1980er Jahren. Der unbeugsame Anführer der Solidaritätsbewegung Lech Wałęsa, bekannt für seinen Schnurrbart, wurde im Jahr 1990 sogar Präsident Polens. Hier befindet sich auch das Musem Solidarność. Bereits das “rostige” Gebäude ist sehenswert, sowohl von außen als auch von innen. Eine Fahrt mit dem Lift auf das Dach ist auch ohne Eintritt möglich und gratis. Die Ausstellung ist modern aufgebaut und führt durch mehrere Räume. Dank dem Audioguide (im Eintritt enthalten, auch in Deutsch) erfährt man auf ansprechende Art alles Wissenswerte über die Bewegung/Gewerkschaft. Es ist eine sehr interessante Ausstellung mit vielen Exponaten, Fotos und originalen Ausstellungsstücken.

Geschichtsfans wird es wohl noch weiter nördlich ziehen, zur Westerplatte. An diesem Küstenabschnitt wurden die ersten Schüsse des 2. Weltkrieges abgefeuert. Eine winzige polnische Garnison hielt 6 Wochen unter Beschuss von allen Seiten aus. Hier befindet sich auch das recht neue Museum des Zweiten Weltkriegs,  nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem am 1. September 1939 während des deutschen Überfalls auf Polen die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs fielen. Der Museumsneubau wirkt von außen bedrohlich – wie ein Segel ragt der Mittelteil des rostroten Gebäudekomplexes in einem Winkel von 56 Grad in den Himmel der Stadt. Das Museum ist in drei Zonen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gegliedert. Die Hauptausstellung mit über 2500 Exponaten auf 5000 Quadratmetern.  „Die Vergangenheit liegt tief im Inneren des Gebäudes, 14 Meter unter der Erde. Hier wird an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges erinnert, aber auch an den heroischen Kampf der polnischen Truppe“, sagt der Museumsdirektor Paweł Machcewicz. Der FHS hat das Museums 2018 besucht und die einhellige Meinung der Hofheimer: “sehr zu empfehlens wert“.

 

Halbinsel Hela

 

Mit einem Schiff erreicht man von Danzig aus in einer einstündigen Fahrt die Halbinsel Hela. Auch mit dem Zug oder Bus ist die Halbinsel zu erreichen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Hela letzter Zufluchtsort von deutschem Militär und Zivilflüchtlingen. Die langgestreckte, aber nur ein bis zwei Kilometer breite Halbinsel war militärisch leicht zu verteidigen und so waren die Häfen im Ort Hela die letzte Möglichkeit für die Evakuierung militärischer Einheiten, Verwundeter und Zivilflüchtlinge auf dem Seeweg. Unvorstellbar dicht zusammengedrängt lagerten Flüchtlinge und Soldaten in den Wäldern und Dünen Helas. Fast 400.000 Menschen  wurden von der Halbinsel nach Deutschland evakuiert.  Es gab allerdings auch sehr viele Todesopfer. Zum einen durch sowjetische Luftangriffe aber auch durch Torpedos, die voll besetzte Schiffe nach dem Ablegen versenkten. Bei Eintritt der Waffenruhe befanden sich noch etwa 60.000 Flüchtlinge und Soldaten auf Hela. Die deutschen Soldaten wurde in sowjetische Gefangenschaft abtransportiert.  Die Militäranlagen können heute besichtigt werden und lassen den Schrecken und das damalige Leiden erahnen.

Die Halbinsel ist aber vor allem ein beliebter Badeort mit zwei Strände und jeweils ganz eigenem Charakter und Mikroklima. Bei einem Spaziergang durch die Fischerdörfer kann man den frischen, leckeren Fisch probieren.

Auf Hela befindet sich auch die Sommerresidenz des polnischen Präsidenten. Schon so manche Staatsoberhäupter wurden hier empfangen. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

 

Die historische Altstadt von Thorn – ein UNESCO Weltkulturerbe

 

Knapp zwei Stunden südlich von Pruszcz Gdański liegt die historische Stadt Thorn an der Weichsel mit ca. 200.000 Einwohnern. Neben der Stadt Bromberg (Bydgoszcz) ist Thorn (Torun) die bedeutenste Stadt der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern, eine der ältesten und schönsten Stadt des Landes. Gegründet wurde sie im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden  und die Altstadt von Thorn gehört seit dem Jahre 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe. Auffällig ist die norddeutsche Backsteingotik. Thorn beherbergt neben einer Universität, denSitz des Woiwodschaftsmarschalls mit seiner Regierung, den Sitz des Bistums Thorn der polnischen römisch-katholischen Kirche und den Sitz des Woiwodschaftsparlaments (Sejmik).  Der bedeutenste Astronom der Neuzeit, Nikolaus Kopernikus wurde 1473 in Thorn geboren. Er formulierte das sogenannte heliozentrische Weltbild des Sonnensystems in seinem Hauptwerk namens “De revolutionibus orbium coelestium”.

 

Die mittelalterliche Altstadt von Thorn ist noch heute fast vollständig erhalten.  Lediglich ein Straßenzug kam im Laufe des 19. Jahrhunderts hinzu. Das Schloss des Deutschen Ordens befindet sich inmitten der Altstadt, in die später auch die als eine Handwerkersiedlung entstandene Neustadt eingemeindet wurde. Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist das Rathaus in Thorn, welches bereits im 13. Jahrhundert in Backsteingotik errichtet wurde und sich auf dem Altstadtmarkt befindet, heute genutzt als Heimatmuseum. Von dem 40 Meter hohen Turm des Rathauses hat man eine fantastische aussicht über die gesamte Altstadt.  Besonders interessant, aus deutscher Sicht, ist die Tatsache, dass das Gebäude als architektonisches Vorbild für das Rathaus in Berlin gilt. Neben einem Nicolaus-Kopernikus-Denkmal direkt vor dem Rathaus in Thorn befindet sich auch eine Darstellung eines sogenannten Flissaken (polnischer Flößer). Die Weichselflößer machten bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein Rast auf den Stufen des historischen Denkmals in der Altstadt.

In Thorn und Umgebung stehen mehrere Kirchen und Kapellen, doch seitdem die St. Johann Kirche im 13. Jahrhundert erbaut wurde, galt sie schon immer als die wichtigste Kirche der Stadt.  Die Kirche wurde den beiden bekannten Persönlichkeiten, dem Evangelisten Johannes und Johannes dem Täufer, geweiht und hat deshalb auch dessen Namen erhalten. Im Kulmerland ist sie eine der ältesten Sakralgebäude, welche stets bearbeitet wurde und sich entwickeln konnte. So war sie zunächst die Pfarrkirche der Altstadt von Thorn, danach das Hauptgotteshaus von der Alt- und Neustadt und dann wurde sie letztendlich als Dom der neu eingerichteten Diözese Thorn angesehen. Ab dem 14. Jahrhundert begann man, die Kirche Stück für Stück auszubauen. Unter anderem auch, weil es einen größeren Brand gegeben hat. Zudem wurden einige Kapellen angebaut und die Kirche konnte somit verlängert werden. Schließlich stürzte im Jahre 1406 der Kirchenturm ein, welcher jedoch noch größer wiederaufgebaut werden konnte. Seine endgültige und auch heute noch sichtbare Gestalt erhielt die Kirche bereits im 15. Jahrhundert. Die charakteristische Kirchenglocke wurde im Jahre 1500 hergestellt und wird Tuba Dei (Gottes Trompete) genannt. Die Nordvorhalle der St Johann Kirche dient als Eingang und ist mit einer zierlichen Ziegel-Attika geschmückt. Im Inneren der Kirche von Thorn beeindrucken vor allem die gewaltigen Kirchenschiffe, die Sterngewölbe und die insgesamt sehr reiche Ausstattung.

Die Gründung Thorns
Im Jahre 1231 entstand die Stadt Thorn. Sie war im Kulmerland die erste Siedlung, die unter der Verwaltung des Deutschen Ordens stand. Kurios: Eigentlich lag Thorn zunächst ca. 7,5 Kilometer weiter westlich, doch da es ständig die Gefahr einer Überschwemmung gab, wurde sie im Jahre 1236 zum heutigen Standort umgesiedelt. Der polnische Herzog Konrad von Masowien bat den Deutschen Orden um Hilfe, da die heidnischen Pruzzen damals in dieser Gegend lebten und man diese gerne christianisieren wollte. Der Deutsche Orden wurde 1226 schließlich aktiv und sie begannen die Stadt zu bevölkern. Thorn wurde 1260 erbaut, wobei die Stadt den Namen nach der Festung und Baronie Toron erhielt. Thorn trat im 14. Jahrhundert dem Hansebund bei und galt somit als Hansestadt. Da der Deutsche Orden den Handel kontrollieren und die Herrschaft in dieser Gegend ausdehnen wollte, kam es zu vielen kriegerischen Auseinandersetzung und gleichzeitig zu einem Bündnis mit dem Königreich Polen. 1454 wurde die Ordensburg erobert und von den Bürgern des Preußischen Bundes zerstört.  1521 kam es zu einem Waffenstillstand und 1525 schlossen der Hochmeisters Albrecht von Brandenburg-Ansbach und der polnische König schließlich Frieden. 1703 brannte das Rathaus von Thorn nieder, als der schwedische König Karl XII. Thorn belagerte. 1708 kam es zur nächsten Katastrophe, als die Pest ausbrach und in Thorn bis 1710 fast 4.000 Menschen ums Leben kamen.

Thorn ab dem 19. Jahrhundert
1793 fiel Thorn durch die zweite Teilung Polens an das Königreich Preußen, bevor es durch den Frieden von Tilsit im Jahre 1807 wieder zu Polen kam. Schließlich kapitulierte die Besatzung und die Waffen wurden niedergestreckt. Thorn wurde 1815 wieder Preußen zugesprochen, nachdem die Wiener Kongresssakte veröffentlicht wurde und die Stadt wurde dem westpreußischen Regierungspräsidenten in Marienwerder unterstellt. In den folgenden Jahren betrug die Besatzungsstärke auf der Festung Thorn über 2.000 Mann. Durch die Ostbahn kam Thorn zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. So wuchs die Bevölkerungszahl bis 1910 auf 46.000. Da sowohl Polen als auch Deutsche in der Stadt lebten, beanspruchten beide Nikolaus Kopernikus als Angehöriger der eigenen Ethnie und so wurden die runden Geburtstage getrennt gefeiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Thorn an die Zweite Polnische Republik abgetreten und der Anteil der Deutschen in der Stadt sank sehr schnell von fast 70 Prozent auf nur noch knapp 4 Prozent. Durch den Polenfeldzug im Zweiten Weltkrieg fiel die Stadt kurzfristig an das Deutsche Reich, bevor die Rote Armee 1945 das Gebiet besetzen konnte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab die Sowjetunion die Stadt Thorn wieder in polnische Hand, woraufhin die restlichen deutschen Bewohner vertrieben wurden. Seitdem hat sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen deutlich gebessert und Thorn hat seit 1978 sogar eine Städtepartnerschaft mit Göttingen.

 

Ermland – Frauenburg (Frombork) – Auf den Spuren Kopernikus

Vom Glockentrum, der schräg gegenüber vom gotischen Dom in Frauenburg (Frombork) steht, reicht der Blick weit über das Frische Haff und – bei guter Sicht – in die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) hinein. Neben dem herrlichen Ausblick hat der Glockenturm seinen Gästen aber noch ein Planetarium mit einem Foucault’sches Pendel zu bieten. Dass ausgerechnet in einer kleinen verträumten Stadt im Nordosten Polens ein Planetarium zum Besuch einlädt, haben die Frauenburger Nikolaus Kopernikus zu verdanken. Der Astronom, geboren in Thorn,  lebte hier von 1517 bis zu seinem Tod am 24. Mai 1543.

In Frauenburg begann Kopernikus mit der Arbeit an seinem Hauptwerk “De Revolutionibus Orbium Coelestium” (“Von den Bewegungen der Himmelskörper”). Er kam nach Frauenburg durch seinen Onkel Lukas Watzenrode, der Fürstbischof vom Bistum Ermland war. 1510, 1519, 1528 wird Kopernikus zum Kanzler des Ermländischen Domkapitels bestellt. Seine wirtschaftliche Unabhängig erlaubte Kopernikus die wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Astronomie. Als Renaissancegelehrter beschäftigte er sich darüber hinaus mit Medizin und Recht. Kopernikus hat Lukas Watzenrode viel zu verdanken. Als er zehn Jahre alt war, starb sein Vater in Thorn. Watzenrode war der Bruder seiner Mutter, der seinem Neffen eine umfassende Ausbildung an den besten Universitäten in Europa ermöglichte.

Der Dom

Bischof Eberhard von Neisse verlieh Frauenburg 1310 das Stadtrecht nach Lübischen Recht. Wie die anderen drei Bistümer erhielt auch das Bistum Ermland einen Dom, mit dessen Bau die Kirche 1329 auf einem Hügel über der Stadt begann, dem heutigen Domkomplex. Die Bauarbeiten konnten 1388 abgeschlossen werden. Das endgültige Ende der Bauarbeiten markiert dieses Jahr jedoch nicht. In den kommenden Jahrhunderten wurde die Kathedrale immer wieder erweitert und umgebaut. Den Dom errichtete die Kirche aus Angst vor Überfällen der Pruzzen in Frauenburg. Die ermländischen Bischöfe residierten zwischen 1350 und 1795 allerdings in dem nur wenige Kilometer entfernten Heilsberg.

Umgeben ist der Dom von einer Wehrmauer, in deren Nordwestecke ein Glockenturm steht. Er befand sich der Überlieferung nach zwischen 1504 und 1543 im Besitz von Kopernikus. Hier soll sich der Astronom ein Arbeitszimmer und ein Observatorium eingerichtet haben. Beweisen lässt sich diese Vermutung aber nicht. Wahrscheinlicher ist, dass Kopernikus in seinem Haus unweit der Kathedrale gearbeitet hat.

Lange war umstritten, ob sich im Dom von Frauenburg wirklich das Grab von Nikolaus Kopernikus befindet. Der Streit scheint beendet zu sein. Im Herbst 2005 fanden Archäologen bei Ausgrabungen im Dom die sterblichen Überreste des Astronomen. Ein Ereignis, das sogar der Ableger der Bild-Zeitung in Polen, die Fakt, auf seine Titelseite setzte – mit einem Foto des vermeintlichen Kopernikus-Schädels.

Im Bischofspalast neben dem Dom ist heute das Kopernikus-Museum untergebracht, in dem verschiedene Gegenstände zu sehen sind, die an Kopernikus erinnern. Darunter sind eine frühe Ausgabe seines Werkes “De Revolutionibus Orbium Coelestium” und weitere Bücher von Kopernikus über Astronomie, Medizin, Politik und Wirtschaft. Bewundern können die Besucher im Museum neben den bereits genannten Ausstellungsstücken Portraits des Renaissancegelehrten. Die Bibliothek von Kopernikus ist heute nicht mehr zu besichtigen. Die Schweden haben sie während der “Sinflut” im Jahr 1626 geplündert.

Wirtschaftlich konnte sich Frauenburg im Schatten der nahe gelegenen Hansestädte Elbing und Braunsberg nie entfalten. An Versuchen hat es in der Geschichte der Stadt jedoch nicht gemangelt. Anfang des 17. Jahrhunderts baute die Stadt zum Beispiel einen Handelshafen. Elbing witterte Konkurrenz und klagte 1617 gegen den Bau. Das königliche Urteil gestand Frauenburg lediglich eine Anlegestelle für Fischerboote zu.

Ausstellungen außerhalb des Domgeländes

Außerhalb des Domgeländes gibt es nur noch wenige historische Gebäude, die sehenswert sind. Die Front hatte die kleine Stadt kurz vor Ende des II. Weltkrieges überrollt und keinen Stein auf dem anderen gelassen. Auch das Domgelände blieb nicht verschont. Der Bischofspalast brannte nieder und wurde in fünfjähriger Arbeit – zwischen 1965 und 1970 – wiederaufgebaut. Die Stadt war 1945 so sehr zerstört und die Einwohnerzahl derart gesunken, dass Frauenburg vorübergehend das Stadtrecht aberkannt wurde. Hinzu kommen noch einige Bausünden in der Nachkriegszeit. Bis 1954 wurden historische Gebäude in der bis zu 70 Prozent zerstörten Stadt abgerissen. Unter ihnen war das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert.

Das Heilig-Geist-Spital gehört zum Nicolaus-Kopernikus-Museum. Untergebracht ist hier die medizin-geschichtliche Abteilung des Museums. Zu den Ausstellungsstücken gehören unter anderem medizinische Fachbücher aus dem 18. Jahrhundert und eine Arzneiliste der königlichen Apotheke in Warschau. Hinter dem Spital hat das Museum einen Garten mit einer Vielzahl von Blumen und Kräutern angelegt. Spaziergänger können auf Bänken die Ruhe und Schönheit des Gartens genießen.

Einen Tagesausflug ist Frauenburg immer wert. Die Stadt ist nur 55 km von Danzig entfernt. Im Sommer finden an den Sonntagen oft Orgelkonzerte im Dom statt.

 

Die Marienburg (Malbork)

 

Zunächst kommt man in die quirlige Stadt Marienburg (Malbork) mit ca. 39.000 Einwohnern, die bereits im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Vom Zentrum aus sieht man dann schon von weitem die mächtige Burganlage: die Marienburg der Kreuzritter des Deutschen Ordens, die selbstverständlich Weltkulturerbe der Unesco ist. Stadt und Burg liegen an der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel. Die Burg selber gilt als grösstes von Menschenhand errichtetes Backsteinwerk und eines der eindrucksvollsten Bauwerke, die es zu sehen gibt. Die gotische Schlossanlage nimmt eine Fläche von ca. 21 ha ein, der Rauminhalt der Gebäude beträgt insgesamt über 250.000 Kubikmeter.

Die Marienburg wurde mit der Zeit zum wichtigsten Bestandteil des Festungssystems des Deutschen Ordens in Preußen. Im Jahre 1300 wurde die Burg Sitz der Hochmeister und wurde massiv ausgebaut. Im 14. Jahrhundert erhielt sie die Form einer dreiteiligen Wehranlage: das Hochschloss (Kloster), das Mittelschloss (Sitz des Hochmeisters) und die Vorburg (Wirtschaftsgebäude). Die Marienburg wurde zum diplomatischen, militärischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum. Hier kamen Ritter aus vielen europäischen Ländern zusammen zu Gastmahlen und Turnieren.

Das Ordensheer unterlag den polnisch-litauischen Streitkräften in der Schlacht von Tannenberg 1410, die Marienburg konnte aber gehalten werden. Nach politschen und wirtschaftlichen Krisen und einer Revolte der Untertanen ging die Marienburg 1457 an den polnischen König Kasimir Jagiello.
Drei Jahrhunderte lang herrschten hier abwechselnd die polnischen und preußischen Herrscher. Nach der ersten Teilung Polens im Jahre 1772 ging die Festung an Preußen. Erst im Jahre 1945 wurde die Marienburg erneut polnisch. Am Ende des Zweiten Weltkriegs erlitt die Marienburg starke Zerstörungen und wurde mit der Zeit aus den Ruinen wiederaufgebaut. Bis heute wird das Schloss intensive rstauriert.

Die Malbork wurde im Jahre 1997 UNESCO Weltkulturerbe. Heutzutage gehört die Festung an der Nogat zum Schlossmuseum in Malbork, das im Jahre 1961 gegründet wurde.

 

 

Eigentlich kann man die großartige Marienburg nicht beschreiben – man muss sie gesehen haben!

Natürlich sind auch dem Internet weitere ausführliche Beschreibungen und Bilder der Marienburg zu entnehmen.

 

Oberland Kanal. Eine technische Meisterleistung

Bei unserem Besuch in unserer Partnerstadt Pruszcz Gdański im Juni 2018 haben wir eine sehr schöne und interessante Schiffsfahrt auf dem Oberlandkanal gemacht. Es war ein Genuss.

Auch heute noch stellt der Kanal eine technische Meisterleistung dar. Zur Überwindung von 100 m Höhenunterschied auf der 81 km langen Strecke zwischen Elblag und Ostroda hätten über 30 Schleusen gebaut werden müssen.

Bei der von dem Königsberger Baurat Georg Steenke schließlich realisierten Lösung überwinden die Schiffe auf fünf hügeligen Teilstrecken mit Hilfe von „Rollwagen“ oder auch „schiefen Ebenen“ genannt, durch Wasserkraft jeweils 21 m Höhenunterschied.

Speziell gebaute Schiffe bis 60 Tonnen Gewicht können so befördert werden. Die technische Anlage befindet sich im Orginalzustand, kein Teil musste je erneuert werden.

Die Überlandfahrt dauert jeweils etwa 15 Minuten. Auch wenn der nach acht Jahren Bauzeit 1852 vollendete Oberländische Kanal durch die Erweiterung des Eisenbahnnetzes bald seine wirtschaftliche Bedeutung verlor (der Güterverkehr wurde 1964 ganz eingestellt), ist seine Anziehungskraft für Touristen  bis heute ungebrochen. Seit 1920 befahren fahrplanmäßig Ausflugsdampfer die Strecke. Eine Fahrt dauert etwa sieben Stunden, die Reise ab Elblag geht über Druzno (Drausen) See- ein Naturschutzgebiet mit 180 Vogelarten. Sie können aber auch nur die interessante Teilstrecke mit dem Überlandtransport (2 Stunden Dauer) buchen.

Von Buczyniec (Buchwalde) aus kann der Transport Überland auf  über 500 Metern sehr gut beobachtet werden. Hier befindet sich auch ein Museum über den Kanal mit seiner Geschichte. Das Elbinger Schiff hat gegen 12 Uhr alle fünf Rollberge passiert und setzt seine Fahrt von Buchwalde aus auf den oberländischen Seen fort. Das Osteroder Schiff erreicht Buchwalde gegen 14 Uhr und passiert dann die Rollberge abwärts.

Hier steht auch das Denkmal des Erbauers, zudem kann auch ein Maschinenhaus und ein kleines Museum besichtigt werden.

Mit speziellen Transportwagen geht es hier auch Überland. Die Wasserspiegel-Differenz ändert sich auf einer Länge von 9,6 km um über 100 m, die das Schiff mithilfe der fünf mit Wasser angetriebenen Rampen überwindet.

Der Güterverkehr wurde schon 1964 eingestellt. Freizeitkapitäne, Paddler und Kanuten haben den Kanal schon lange für sich entdeckt. Perfekter Urlaub auf dem Wasser.

Die Gesamtlänge des Kanals beträgt 129,8 km. Gewöhnlich identifiziert man den Kanal nur mit der Strecke Elbląg -Ostróda, aber er hat auch einige andere Abzweigungen:

 

 

 

Danziger-Erklärung_2016